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Psychoedukation kreativ gestalten

Einsatz von psychoedukativen Elementen im Entspannungssetting. Wie kann man das machen?

Eine Entspannungsstunde besteht in der Regel aus verschiedenen Phasen. Die Entspannungsfachperson (EFP) erfragt die gemachten Erfahrungen mit der neu erlernten Übung aus der letzten Sitzung (z.B. die neu gelernte Muskelgruppe in der med. Progressiven Muskelentspannung, med. PME oder die neu gelernte Wärmeübung im med. Autogenen Training, med. AT). Sie vermittelt Wissen zur Stress- und Entspannungsreaktion (was passiert dabei mit uns und unserem Körper?) und diskutiert relevante Aspekte für ein zielgerichtetes Stress- und Selbstmanagement (z.B. Affektregulation, intrinsische Motivation, Bedürfnismotive…). Es wird der nächste Schritt / die neue Übung vermittelt und die TeilnehmerInnen erhalten alle Informationen, um nun ausserhalb der Stunde für sich zu üben, bis zu nächsten Termin. Zusammenfasst beinhaltet eine Entspannungsstunde also häufig diese Phasen: Feedbackphase (Rückmelderunde), Informationsphase (Psychoedukation), Übungsphase inkl. Erfahrungsaustausch (neue Übung wird erlernt und besprochen), Abschlussphase (Vorbereitung auf das Üben zuhause).

Die Psychoedukation ist dabei die Komponente, wo die EFP sich als ExpertIn zeigen kann, wichtige Informationen und Kenntnisse vermittelt, welche für den erfolgreichen Transfer und Integration von Entspannung in den Alltag wichtig sind, persönliche Interessen der TeilnehmerInnen aufnehmen und die Entspannungsstunde kreativ und dynamisch gestaltet kann. Hier sind grundlegende Themen möglich wie Stresswissen, physiologische Prozesse der Entspannung, Motivationsschwierigkeiten beim Üben, Einsatz von med. Entspannungsverfahren (MEV) als Coping Skill in Stresssituationen, aber auch spezifische Themen je nach Interesse der TN oder abhängig von der Zielgruppe wie Burnout, Stresssituationen in Eltern-Kind-Beziehungen, Unterstützung der MEV beim Rauchstopp, Prüfungsangst usw.

Die Vermittlung eines Störungsmodells, z.B. psychologische Erklärungsmodelle für Affekte oder Verhalten (Ärgerspirale, Teufelskreis der Angst…) kann entlastend wirken und das Verständnis für das eigene Verhalten fördern. Zum Beispiel kann auch eine individuelle Stressspirale entwickelt werden: In welchen Situationen zeige ich eine starke Stressreaktion? Welche Gedanken gehen mir dann durch den Kopf? Welche Gefühle habe ich und wie fühlt sich mein Körper dann an? Wie verhalte ich mich in der Situation? Wie tragen diese Reaktionen dazu bei, dass die Situation für mich stressig ist? Anschliessend kann überlegt werden, wie MEV als Unterstützung eingesetzt werden könnten. Mithilfe einer Formelhaften Vorsatzbildung kann z.B. im med. Autogenen Training eine persönliche Formel erarbeitet werden, welche die Person dabei unterstützt das gewünschte Verhalten umzusetzen. Zum Beispiel bei Prüfungsangst oder beim Schreiben einer Arbeit kann eine Formel wie „Ich bin dran, ich komm voran“ die positive Zielvorstellung enthalten, die das regelmässige Lernen oder Schreiben an der Arbeit verstärkt. Dies führt zu einer positiven Assoziation und fördert die Selbstwirksamkeit immer wenn ich etwas für mein Ziel tue und motiviert zielförderliche Handlungen (regelmässig lernen, jeden Tag eine Seite schreiben), welche dann schlussendlich zum Erreichen des Zieles führen.

Insbesondere der Einsatz von neuen Medien kann sehr gut mit psychoedukativen Elementen verknüpft werden. Hier ist der Kreativität und interaktiven Ideen zum Einbezug der TeilnehmerInnen praktisch keine Grenzen gesetzt. Kleine Übungen zur Selbstbeobachtung im Alltag können durch Smartphones, Smartwatches, Tablets etc. unterstützt werden. Zum Beispiel können vorhandene Apps oder Einstellungen im Smartphone eingesetzt werden, um Stressanzeichen über den Tag zu protokollieren (lassen sich Muster erkennen, was sind typische persönliche Stressgedanken, wann gibt es Entspannungsmomente am Tag – was macht diese aus? usw.). Auch das Trainieren von Achtsamkeit oder die Integration von Genussmomenten in den Alltag kann durch soziale Medien (Einbezug von anderen), kreative Hausaufgaben oder Online-Tools unterstützt werden kann. Den TeilnehmerInnen kann es mithilfe von interaktivem Material leichter fallen aktiv zu werden, da sie die Geräte und Medien automatisch im Alltag nutzen, es ist einfacher an kleinen Aufgaben dran zu bleiben, sich an das Üben zu erinnern oder kleine Verhaltensänderungen im Alltag auszuprobieren und aufrechtzuerhalten. Die gemachten Erfahrungen können in der Entspannungsstunde dann in der Gruppe und mit der EFP ausgetauscht und reflektiert werden.

Wichtig ist jedoch immer die Autonomieförderung beim Einsatz von Medien und Elementen der Psychoedukation im Blick zu behalten. Ratschläge, wie man Entspannung im Alltag einbauen sollte oder eine allzu versorgende Anwendung von interaktiven Medien, z.B. Push-Erinnerungen durch die EFP zum Üben der MEV oder Unterstützungsleistungen welche die Eigenverantwortlichkeit schwächen, sollten vermieden werden. Das Grundprinzip der MEV ist es, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben und die Fähigkeit zu vermitteln, die MEV autonom und selbstständig anwenden zu können. Psychoedukation sollte diesem Prinzip folgen und immer die TeilnehmerInnen als Experten ihrer selbst miteinbeziehen.

Der kreative Einsatz von psychoedukativen Elementen, sowohl in der Entspannungsstunde, als auch in den Übungsphasen zwischen den Sitzungen, kann den Spass und die Freude an den MEV verstärken, die Auseinandersetzung mit dem eigenen stressverstärkenden Verhalten anregen und die Entspannungsstunde spannend und interaktiv gestaltbar machen. Die EFP stellt dabei ihr fachliches Wissen zur Verfügung, gibt Anregungen zur Selbstreflexion und Denkanstösse, und initiiert Möglichkeiten zu Ausprobieren, damit die TN Verantwortung für die eigene Gesundheit übernehmen können.

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